Samsung Note7 – Licht und Schatten auf 5,7 Zoll und ein abruptes Ende.


Nach einem Jahr Abstinenz hat Samsung auch für Deutschland wieder ein Note angekündigt. AB dem 2.9. könnt Ihr das Note7 (dieses mal ohne Leerzeichen!) in den Händen halten. Wir hatten das Glück, ein Vorseriengerät testen zu dürfen. Um nicht zu viel zu verraten: Licht und Schatten auf 5,7 Zoll und ein abruptes Ende.

Note7 unpackUnboxing

Nun, da wir ein Vorseriengerät bekommen haben, gab es alles in einem schlichten weißen Karton. Kein Aufdruck, nichts. Nur ein Aufklener mit der IMEI sowie der Seriennummer des Gerätes war zu finden. Darin enthalten war aber alles, was auch im realen Lieferumfang war: 230V Schnellladeadapter, USB-C Kabel, Headset. Letzteres fand sich in einer wohl bei Apple abgeschauten Verpackung.

Design & Verarbeitung

Nachdem ich das ganze Geraffel wieder in den Karton gepackt habe, schaute ich mir das Note7 genauer an. Parallelen zu der aktuellen S7er Serie sind absolut nicht von der Hand zu weisen. Man könnte im Grund behaupten, das es der Große Bruder mit Stift ist. Die Vorderseite mit dem Doppel-Edge-Display, welche sich auch auf der Rückseite wiederfindet. Wie bei dem S7 und S7edge. Die Vorderseite ist mit Gorilla Glas 5 ausgestattet, welches Stürze aus über 1,5m aushalten soll. Das haben wir natürlich nicht ausprobiert, aber wir schenken der Werbung mal Glaube. Zerkratzen kann man es definitiv relativ schwierig, ich habe es jedenfalls immer in der selben Tasche wie Schlüssel und Kleingeld getragen. Verarbeitet ist das Vorseriengerät (fast) tadellos. Der Stylus guckt leider rund 1mm unten raus, dadurch entsteht eine „Kante“ die einen manchmal ein bisschen auf die Nerven geht. Eventuell bessert Samsung bei den Seriengeräten da noch nach.
Die Abmaße des Note7 können sich sehen lassen. Fast 5mm weniger in der Breite gegenüber dem Note 4 und über 20g weniger Gewicht als das iPhone 6S Plus.

Technische Daten

Machen wir es ganz nüchtern: Das Note7 hat, was es so gibt. Exynos 8890 mit 2×4 Kernen, Mali T880 4GB RAM, 64GB interner Speicher, bis zu 256GB microSD, 2560 x 1440 Pixel QHD HDR Display (551ppi), LTE Cat 9. Also alles, was das aktuelle Technikregal so hergibt.

Display

Das Herzstück. Das Nonplusultra. Der beste Display den ich jemals in einem Smartphone gesehen habe. Das ist weitestgehend auf die HDR Unterstützung zurückzuführen. Passender Content vorrausgesetzt hat das Display eine Farbwiedergabe, die einen Träumen lässt. Im direkt Vergleich mit einem S7 wirkt das S7 Matt, altbacken und schon fast unwürdig. Netflix und Amazon Prime wollen Inhalte zum Marktstart als Stream bereitstellen. Ob und Wann genau, konnte man noch nicht sagen.

Ausführlicher Testbericht

Note7 Sim-SchlittenNachdem ich das Note eingerichtet hatte (ohne Smart Switch, da ich generell immer das neue Handy neu einrichte!) ging es daran, alle bekannten Konten einzurichten. Outlook, Netflix, Twitter, Facebook und was es sonst noch so alles gab. Das Einstellungsmenü hat Samsung, mal wieder, überarbeitet. Es gibt eine Zentrale „Vorschaltseite“ die alle Einstellungen sortiert. Macht die Sache am Anfang etwas unübersichtlich, ich mag dann doch eher die schnöde einfache Liste von oben nach unten. Leider lässt sich das nicht einstellen, wie damals mit den Registerreitern. Schade.Note7

Während ich fleißig am einrichten war, stellte ich so nach und nach fest, das die Worterkennung irgendwie nicht automatisch funktioniert. Es erkennt zwar, das man ein Wort falsch schreibt, aber anders als beim S7 wird das Wort nicht automatisch ersetzt, sobald man auf die Leertaste tippt. Es ist notwenig, das man auf das korrigierte Wort oberhalb der Tastatur tipp, was einem nach der Zeit und viel text ganz schön die nerven rauben kann. Wobei, drücken wir es anders aus: Es geht einem richtig auf die Eier. Das ganze lag allerdings an der Vorserien-Firmware und ist in der Finalen Firmware nicht mehr enthalten, so Samsung.
Da das Gerät im Vergleich zum S7 doch ziemlich groß ist, lässt es sich quasi unmöglich mit nur einer Hand bedienen ohne das man es irgendwie verliert. Es ist durch die länge doch sehr kopflastig in einer Hand. Das ist an sich aber nicht wild, man weiß ja auf was man sich einlässt.

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Samsung hat auch im Note7 eine verdammt gute Funktion integriert: Das erkennen unbekannter (Also nicht gespeicherter) Telefonnummern. Das Funktioniert tadellos, sodass sofort und ohne Umwege nervige Werbeanrufe gekennzeichnet werden. Ebenfalls findet das Gerät z.B. Nummern, die einem per Whatsapp schreiben aber man nicht gesichert hat und zeigen den dort eingegebenen Namen an. Nettes Gimmick.

HDR, HDR, HDR!

Nach der ersten (groben) Einrichtung ging es dann ans ausprobieren. Man will ja erstmal wissen, was es so mehr kann. Als erstes viel der Blick dann natürlich auf die bereits erwähnte HDR Unterstützung des Displays. Kurzerhand ein HDR Video aus dem Internet besorgt (es war auch eins vorinstalliert, aber man will das ja objektiv betrachten und nicht ein extra fürs Note produziertes Video nutzen) und auf das Note7 und auf das S7 gespielt. Beide nebeneinander gelegt, play gedrückt und große Augen gemacht. HDR ist eine extreme verbesserung gegenüber den „normalen“ AMOLED Display im S7. Starke, kontrastreiche Farben die mich dazu bringen, nie wieder ein Smartphone ohne HDR kaufen zu wollen. Sensationell.

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Nun, weiter im Takt hab ich dann natürlich den S-Pen ausprobiert. Die Handschrifteingabe funktioniert ganz
gut und mit den speziellen Befehlen kommt es auch ganz witzig rüber, wenn man mal einen falsch erkannten Text korrigieren will. Alles in allem aber ein Feature, welches ich in der etwas über eine Woche reale Nutzung im Grunde nicht einmal gebraucht habe. Genauso übrigens das neue Always-On Display: Note im standby, S-Pen raus ziehen und los schreiben. Braucht man das? Ich nicht. Aber das ist ja immer ein eigenes Empfinden. Der generelle Always-On Display ist wie beim S7 auch, hat allerdings so gut wie alle Benachrichtigungen integriert, die so eintrudeln. Eindeutige Verbesserung.

Aber der S-Pen kann ja noch mehr. Also er unterstützt mehr, ob man das mit dem S-Pen machen muss, weiß ich nicht. Smart Select zum Beispiel habe ich kurz angerissen und dann völlig in die Vergessenheit geschoben. Selbst im Arbeitsalltag habe ich irgendwie keinen sinnvollen Nutzen gefunden. Bei der Screenshot-Notiz ebenfalls. Dafür muss man nicht wirklich den Stift nutzen, das lässt sich auch mit dem Finger und der Tastatur machen. Einzig die Übersetzen Funktion war ganz witzig und nützlich, da sie quasi „onthefly“ direkt funktioniert.

Entsperr mich

Nun, kommen wir zu zwei Sachen, die man im Alltag quasi mehrfach die Stunde brauche: Entsperrmöglichkeiten. Mit dem Note7 hat Samsung nun auch einen IRIS-Scanner integriert, den man ja bereits z.B. aus dem Lumia 950 kennt. Zumindest so ähnlich. Die Umsetzung der IRIS-Entsperrung ist nicht gut gelungen. Neben dem drücken der Entsperrtaste oder des Homebuttons muss man danach noch zusätzlich über den Bildschirm wischen um die IRIS-Erkennung zu aktivieren. Dieser zusätzliche Schritt ist in meinen Augen völlig unnötig und kostet nur Zeit. Wenn man das Note über den Homebutton aktiviert, ist der Fingerabdruck schon erkannt, bevor man überhaupt auf die Idee kommt, über das Display zu wischen für die IRIS-Erkennung. Hier muss Samsung nachbessern und sich einfach mal ein Lumia 950 angucken. Hier aktiviert sich die IRIS-Erkennung sofort. Das man bei Samsung seine eigenen Augen bei der Erkennung sehen kann, ist ein nettes Gimmick, aber das darf man gerne zugunsten der schnelleren Erkennung wieder entfernen.

Das Ende

wificallingNun, kommen wir zum letzen Akt in diesem Test und zum abrupten Ende. Das Note7 soll WiFi-Calling unterstützen, wobei die Betonung eindeutig auf soll liegt. Es funktioniert nämlich nicht. Es wird kein Gespräch aufgebaut und es kommen auch keine Signale, das mich jemand erreichen will. Man ist, wenn WiFi-Calling aktiv ist, einfach abgeschnitten von allen Telefongesprächen. Das macht den Tag zwar schon ruhig, aber die nerven schont es nicht wirklich. WENN WiFi-Calling funktioniert, erkennt ihr das übrigens am WLAN Symbol neben/unter dem Hörer. Der Screenshot ist von einem S7. In der finalen Firmware funktioniert WiFi-Calling einwandfrei. Es gab hier wohl noch ein paar Probleme im Vorseriengerät und im Netz, die allerdings allesamt beseitigt worden sind.

Apropos Nerven: Die schon genannten, nerven raubenden, Funktionen Worterkennung und IRIS-Scanner in Kombination mit dem nicht funktionierenden WiFi-Calling haben mich dazu gebracht, nach knapp einer Woche das Note7 zu resetten und in den Karton zu packen und wieder auf mein Galaxy S7 umzusteigen.
Das Note7 ist technisch grandios Ausgestattet und alleine nur der HDR Display hätte ich dazu gebracht, das Smartphone zu kaufen. Aber diese drei in meinen Augen enormen Fehler haben mich dazu bewegt, das Note ganz weit weg zu packen und nicht wieder anzurühren. Das ganze wird allerdings dem Vorseriengerät und der noch nicht finalen Firmware geschuldet sein. Das ändert zwar nichts am Text, aber zum Marktstart wird das alles behoben sein.

Fazit

Schade. HDR, 5,7 Zoll AMOLED QHD und alles Pipapo. Das Ende haben Kleinigkeiten in die Wege geleitet. Sobald das Note final am Markt ist, werde ich mich noch einmal dran wagen und die der Vorserie geschuldeten Probleme angehen und dann eventuell doch einen Kauf in betracht ziehen.

 

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